Weiterer Schritt in Richtung „Schnelles Internet“ in Rietberg

Seit Monaten kämpfen die Bürger der Stadt Rietberg gemeinsam mit der Politik um schnelles Internet im Rietberger Stadtgebiet. Jetzt nimmt das Projekt »Verbesserte Internetanbindung in Rietberg« gehörig Fahrt auf. Dabei fährt die Stadtverwaltung zweigleisig, um zügig voran zu kommen: Bürgermeister Andreas Sunder hat für den Ortsteil Bokel jetzt eine Markterkundung zur Auswahl eines geeigneten Netzbetreibers gestartet. Parallel sollen alle Bürger in Druffel und Westerwiehe in einer Umfrage mitteilen, wie gut oder schlecht die Internetverbindung in ihren Stadteilen ist.

Bokel, Druffel und Westerwiehe – in diesen drei Stadtteilen sind die Internetnutzer besonders langsam auf der Datenautobahn unterwegs. Die Übertragungsraten für die Internetverbindung liegen unterhalb von 2 Mbit/s. Und damit gelten diese drei Ortsteile als besonders unterversorgt. Unterhalb dieser Grenze ist eine Förderung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum möglich. Und die strebt die Stadt Rietberg jetzt an. Ein Interessenbekundungsverfahren war Ende April zu Ende gegangen und hatte ergeben, dass kein Netzbetreiber bereit ist, ohne öffentliche Zuschüsse eine verbesserte Breitbandversorgung in Rietberg anzubieten. Mit Fördermitteln des Landes NRW und auch einem möglichen Zuschuss aus der Stadtkasse könnten Telekommunikationsunternehmen aber nun entsprechende Anreize bekommen.

Deshalb hat die Stadt jetzt ein Auswahlverfahren eingeleitet, bei dem interessierte Internetanbieter ihre Wirtschaftlichkeitslücke und den Zuschussbedarf beziffern sollen. Mit diesem Auswahlverfahren ist noch keinerlei Verpflichtung und Vergabe verbunden. Entscheiden wird erst der neue Stadtrat. Es dient vielmehr der weiteren Markterkundung. Für den Fall, dass Rietberg damit Erfolg hat, besteht berechtigte Hoffnung auf eine Förderung von 75 Prozent der Kosten zur Schließung dieser Wirtschaftlichkeitslücke, jedoch maximal 180.000 Euro je Stadtteil. Damit ist frühestens im Herbst zu rechnen.

Bis der Internetnutzer die Verbesserung zu Hause spürt, kann es noch ein Jahr dauern. „Wir in der Stadtverwaltung werden aber alles dafür tun, dass wir keine Zeit verlieren und zügig voran kommen“, verspricht Rüdiger Ropinski von der Abteilung Räumliche Planung und Entwicklung im Rathaus. Die Optimierung der Internetanbindung im Stadtgebiet war eines von Sunders zentralen Wahlkampfthemen vor eineinhalb Jahren. „Gut, dass die flächendeckende Internetversorgung mittlerweile auch flächendeckend in der Politik als wichtig erkannt wird. Schließlich ist die Verfügbarkeit von schnellem Internet ein wichtiger Standortfaktor – sowohl für Privatpersonen, erst Recht aber für Wirtschaftsunternehmen.“

Das Förderverfahren verlangt nun als ersten Schritt eine Bedarfsermittlung. In Bokel hat bereits eine solche Bedarfsabfrage stattgefunden; in Druffel und Westerwiehe ist sie noch durchzuführen. Im Rahmen des Dorfentwicklungskonzepts Bokel unter der Federführung der Ortsvorsteherin Judith Wulf hatte sich die Arbeitsgruppe DSL gegründet und diese Umfrage schon durchgeführt. Dafür ist Bürgermeister Sunder der Ortsvorsteherin Judith Wulfwirklich dankbar: „Die Bokeler haben diese Aufgabe schon frühzeitig abgearbeitet. Deshalb können wir hier gleich durchstarten.“ In Bokel ist das oben beschriebene Auswahlverfahren deshalb schon begonnen. Das Förderverfahren läuft ohnehin für jeden Stadtteil getrennt, so dass es nicht nötig ist, mit dem Auswahlverfahren auf die weiteren Stadtteile zu warten.

Die Vorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Fraktionen hatte der Bürgermeister bereits über das Vorgehen unterrichtet und traf dort auf ungeteilte Zustimmung. Darüber hinaus werden ehrenamtliche Helfer in den nächsten Tagen in beiden Ortsteilen die Fragebögen an möglichst viele Haushalte verteilen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, den Fragebogen auf der Internetseite der Stadt Rietberg herunterzuladen (www.rietberg.de). Bürgermeister Andreas Sunder bittet die Bürger um Mithilfe. „Nur so können wir ein aussagekräftiges Ergebnis vorlegen, das erkennen lässt, wie schlecht die Internetversorgung in Druffel und Westerwiehe tatsächlich ist.“ Deshalb hofft Andreas Sunder auf eine möglichst große Beteiligung. Denn dann könnte schon Anfang Juni die Bedarfsermittlung abgeschlossen sein, so dass der Bürgermeister auch für die Stadtteile Druffel und Westerwiehe zügig das Auswahlverfahren einläuten kann.

„Mir ist sehr wohl bewusst“, sagt Andreas Sunder, „dass selbst eine Internetversorgung von etwas mehr als 2 Mbit je Sekunde in den anderen Stadtteilen meist nicht ausreichend ist. Diese Gebiete können aber mit den gültigen Förderprogrammen aktuell nicht ausgebaut werden.“ Sunder steht jedoch in persönlichen Gesprächen mit der verantwortlichen Bezirksregierung Detmold und hofft, dass in absehbarer Zeit auch Bereiche mit weniger als 25 Mbit/s bestehender Versorgung in die Förderung aufgenommen werden können. „Ist dies der Fall, so kann auch ein Ausbau weiterer Bereiche – im Anschluss an Bokel, Druffel und Westerwiehe – im Stadtgebiet Rietberg angegangen werden.“