Selbst ist das Dorf: Bokel träumt von Dorfküche und schnellem Internet

Bokel hat gewählt – nicht nur am vergangenen Sonntag bei der Bundestagswahl, sondern auch im Rahmen des Dorf Entwicklungs-Konzeptes. Bei der zweiten Planungsrunde legte man sich auf die Schwerpunkt-Projekte der nächsten Jahre fest. Neben der Breitbandversorgung, steht vor allem die Einrichtung einer Dorfküche im Mittelpunkt.

Gleich 19 Projekte stellten die einzelnen Gruppen vor, mit denen sie ihr „Dorf“ Bokel voran bringen wollen. Zusammen mit der Arge Dorfentwicklungs GbR hatten die Bokeler Bürger selbst seit April in ihren Gruppen die verschiedenen Projekte ausgearbeitet, die als Gesamtkonzept zu verstehen sind. Die anwesenden Dorfbewohner stimmten dann demokratisch über die Reihenfolge der Vorangehensweise der einzelnen Projekte ab.

Ortsvorsteherin Judith Wulf zeigte sich vor allem aufgrund der Vielfalt begeistert. „Die Beteiligung war phänomenal. Mit so vielen tollen Ideen hätte ich nicht gerechnet“, dankte Wulf den Mitbürgern für die Mitarbeit am Großprojekt „Dorfentwicklung“.

Langsames Internet nervt das gesamte Dorf – Glasfaserkabel soll helfen

Recht hatte sie, denn die Vorstellungsrunde hatte es in sich: Neben baulichen und optischen Änderungswünschen, wurden auch Themen der Energieplanung, Ressourcen-Bündelung und der Kinderförderung vorgestellt. Bei einem Punkt waren sich dabei alle Bokeler sehr schnell einig: Bokel braucht schnelleres Internet durch Breitbandversorgung.

„Das quält jeden im Dorf“, brachte es Gruppensprecher Frank Spexard bei der Vorstellung auf den Punkt. „Die Leerrohre für das Glasfaserkabel liegen gefühlte 25 Jahre schon. Bevor diese Goldhochzeit feiern, sollte das Kabel schnellstmöglich da rein“, erntete Spexard großen Applaus der rund 100 Besucher im Saal der Gaststätte „Zum Doppe“. Und so stimmten letztlich mehr als 16 Prozent der Anwesenden für die Umsetzung dieser Maßnahme, die damit die höchste Zustimmungs-Rate aller Projekte erhielt.

Dorfküche für Kindergarten, Schule & Unternehmen – Kochen für ganz Bokel

Vorstellung der Dorfküche - Helge Jung (ARGE) und Johanna StückerDicht gefolgt allerdings von einem Projekt, bei dem ebenfalls ein Großteil der Bokeler Bürger profitiert: Die Küche im Pfarrhaus soll zu einer Dorfküche werden, mit der Kindergarten, Grundschule und auch einige Unternehmen mittags frisch verpflegt werden. „Es soll aber auch ein Ort der Begegnung für Jung und Alt werden“, würde sich Sprecherin Johanna Stücker freuen, wenn auch Teile der Bokeler Bürger regelmäßig dort zu Tisch gehen könnten.

Dieses Projekt könnte auch Zuschüsse vom Land NRW bekommen. Eng verzahnt damit ist auch die Planung des Dorfgemeinschaftsgarten an der Grundschule, in dem die Zutaten für die Dorfküche frisch angebaut werden könnten. Dieser Vorschlag erhielt letztlich aber nur rund 2 Prozent der Stimmen.

Ein weitere Meilenstein der Dorfentwicklung soll der Umbau der Lannertstraße werden. Mit baulichen Veränderungen sollen die Raser gestoppt und die Straße dadurch sicherer werden. „Für Kinder ist es nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich zur Zeit zur Schule zu gehen“, prangerte Matthias Strotmann von der Projektgruppe an. Außerdem sei die Verbindung zum Rest des Dorfes ausbaufähig.

Neben der Anlegung eines Pattweges am Bokeler Kanal, soll in den kommenden Jahren auch die Standortsicherung des Kindergartens ganz oben im Maßnahmenkatalog stehen. Jürgen Spexard verdeutlichte, dass die Zahl der Kindergarten-Kinder in Bokel stark sinke. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob der Kindergarten unattraktiv geworden ist“, blickt er mit Schrecken auf die Anmeldezahlen Bokeler Kinder in den benachbarten Kindergärten der Stadt Rietberg.

So sollen nicht nur die Marketing-Aktivitäten erhöht werden, sondern eventuell auch die Ausweitung des Angebotes auf den U2-Bereich (unter 2-jährige) getestet werden.

Rietberger Rat hat das letzte Wort – Sitzung am 12. Dezember entscheidend

Austausch Andreas Sunder und Judith Wulf

„Die Grundaussagen für die nächsten 20 Jahre dürfte getroffen und die Richtung vorgegeben sein“, warnte Hartmut Lüdeling von der ARGE aber auch vor zu großen Erwartungen. „Die Umsetzungen sind langfristig zu sehen und können nur sukzessive durchgesetzt werden“, verdeutlichte Judith Wulf die Worte von Lüdeling.

Letztlich müsse man auch immer auf das OK der Stadt Rietberg warten. Mit dem ausgearbeiteten Gesamtkonzept, sowie der Priorisierung der einzelnen Projekte durch die Abstimmung habe man nun eine gute Grundlage, mit der man in die Ratssitzung am 12. Dezember gehen könne.

Mit nahezu 100 Prozent entschied man sich übrigens für das neue Leitmotto von Bokel. Der Spruch „Selbst ist das Dorf“ mit dem Zusatz „Bürgernah – Optimistich – Kreativ – Engagiert – Lebenswert“ steht nun über dem gesamten Projekt.

Abstimmung Dorfentwicklungsprojekt Bokel


Abstimmungsergebnis aller Projekte