Schüler verweisen den Rat auf die Besucherbank

Ratsmitglieder auf der Zuschauerbank? Während einer Ratssitzung? Klingt komisch, war aber am Donnerstagabend in Rietberg die korrekte Sitzordnung im Alten Progymnasium. Denn bei der 40. Ratssitzung der Legislaturperiode hatten die „alten Hasen“ ausnahmsweise Pause. Ihre Plätze nahmen stattdessen Schülerinnen und Schüler ein.

„Das ist eine Premiere in der Geschichte der Stadt Rietberg und ich freue mich sehr darüber, dass wir heute gemeinsam in diesem Rahmen diskutieren,“ sagte Bürgermeister Andreas Sunder zu Beginn der Ratssitzung des Schüler- und Jugendparlaments. Diese markierte den Höhepunkt eines Projekts, das im Mai begonnen hatte. 18 Gesamtschüler und Gymnasiasten hatten sich dafür beworben, bei den politischen Parteien zu hospitieren und kommunalpolitische Luft zu schnuppern. Im Vorfeld der Ratssitzung konnte jede Partei Anträge stellen, die dann in die Beratung gingen. Mit 18 Tagesordnungspunkten war die Liste, die es abzuarbeiten galt, relativ lang.

Themenschwerpunkte waren klar erkennbar: Verbesserungsvorschläge für den Schulalltag, wie etwa die Bereitstellung von kostenlosem Trinkwasser (Antrag der SPD), mehr öffentliche Begegnungsmöglichkeiten für Jugendliche (ein Café oder ein Partyraum) wurden ebenso gewünscht wie die Intensivierung von Klimaschutzmaßnahmen. Einstimmig erteilte das Gremium der Verwaltung den Auftrag, zu prüfen, ob es möglich sei, mit städtischen Fördergeldern ein „Grünes Café“ an der Rathausstraße zu eröffnen. Diesem Vorschlag der CDU-Fraktion konnten sich alle anderen anschließen. „Es sollen ausschließlich heimische Produkte angeboten werden. Außerdem wäre es schön, wenn Schüler dort einen Nebenjob bekommen könnten“, waren sich die Schülerparlamentarier einig. „Wir fänden es toll, wenn gleichzeitig auch ein Unverpackt-Laden eröffnen könnte“, hieß es seitens der Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen.

Der Wunsch nach einer verbesserten Informationspolitik war der Hintergrund eines Antrags der FWG-Fraktion. Sie forderte die Stadtverwaltung auf, Schülern, Eltern und Lehrern im Rahmen einer Versammlung die Pläne zur baulichen Umgestaltung des Schulzentrums zu erläutern. „Es muss nicht jeder bei kleinsten Details mitreden, aber eine grundsätzliche Präsentation der Maßnahmen wäre schön“, betonten die Vertreter der FWG. Die Mehrheit der Ratsmitglieder schloss sich diesem Vorschlag an und beauftragte die Stadtverwaltung eine entsprechende Veranstaltung vorzubereiten.

Nach gut zwei Stunden lebhafter Diskussion hatten Stadtverwaltung und Parteien noch zu einem gemütlichen Ausklang des Abends eingeladen. Das Fazit nach der Premiere fiel eindeutig aus: Dieses Projekt soll auf jeden Fall wiederholt werden.

Folgende Schülerinnen und Schüler haben sich beim Schüler- und Jugendparlament beteiligt:

Für die CDU-Fraktion: Emilia Ernst (Gymnasium), Marie Katscher und Marietta Stückerjürgen (beide Gesamtschule).

Für die FWG-Fraktion: Hendrik Hölken, Dennis Peitzmeier (beide Gesamtschule), Angelina Fehler, Tim Großegesse, Isabella Loibl, Niklas Rodermond, Julius Vorderbrüggen, Maren Haßmann, Ceyda Caglar (alle Gymnasium).

Für die SPD-Fraktion: Tugce Harbalioglu, Johanna Bode, Lilli Sophie Kaimann und Nina Strohmeier (alle Gymnasium).

Für Bündnis 90/Die Grünen: Carl-Henry Ernst und Emma Lück (beide Gymnasium).