Rietberger Bürger dürfen Marktplatz & Rathaus mitgestalten

Im Herzen von Rietberg könnte schon bald ein zentraler Platz mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Im Zuge der geplanten Sanierung der beiden Rathausgebäude soll auch das gesamte Areal an der Rügenstraße/Rathausstraße im Dreieck zwischen Pfarrkirche und den beiden Verwaltungsgebäuden neu gestaltet werden. Landschaftsarchitekt Jürgen Edenfeld hat jetzt einen entsprechenden Entwurf im Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuss präsentiert.

Alle Interessenten können sich im Rahmen einer Bürgerversammlung am Dienstag, 10. Februar, ab 18 Uhr im Alten Progymnasium die Pläne umfassend erklären lassen. Architekten, Statiker und Bürgermeister Andreas Sunder werden sämtliche Fragen beantworten. Eingeladen sind auch diverse Interessenvertreter wie der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM), die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Rathausstraße oder der Heimatverein.

Wo derzeit noch Autos fahren, könnten Besucher schon bald in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken. Die jetzigen Parkplätze direkt vor dem Rathaus an der Rügenstraße müssten an die Seite verlagert werden. Das sei problemlos möglich, sagte Planer Jürgen Edenfeld. Der bereits vorhandene Brunnen findet in den Entwürfen keinen Platz mehr. Allerdings nicht wegen seiner Größe, sondern weil er nicht flexibel auf- und abbaubar ist. „Für Großveranstaltungen wie Karneval ist es erforderlich, unkompliziert und schnell eine ebene Fläche herstellen zu können“, wie Edenfeld erläuterte. Auch der Wochenmarkt benötige jeden Zentimeter, wenn die Parkplätze verlegt sind.

Deshalb setzt der Planer auf anpassungsfähige Gestaltungselemente: zum Beispiel ein ebenerdiges Wasserspiel mit Bodendüsen oder große Blumenkübel. „Die können Sie bei Bedarf ohne großen Aufwand aufladen und wegfahren“, sagte Edenfeld. Auf Wunsch der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist ist geplant, das Totenlicht – eine kleine Stele – von seinem jetzigen Standort am Rand der Rügenstraße weiter in Richtung Kirche zu versetzen.

Aufzug am Rietberger Rathaus ist größte Herausforderung für Planungsbüro

Nicht nur die Attraktivitätssteigerung dieses zentralen Platzes war Thema im Ausschuss, auch die Planungen für die Sanierung und den Umbau der beiden Rathäuser wurden vom Architekturbüros „Werk 9“ aus Herzebrock-Clarholz erläutert. Besonders das historische Gebäude Rathausstraße 31 entspricht im Hinblick auf Brandschutz und Barrierefreiheit in keinster Weise den aktuellen Anforderungen. Außerdem ist eine energetische Sanierung erforderlich.

Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, war es eine besondere Herausforderung, die Pläne zu erstellen. Ziel ist es, dass alle Bürger eine offene und freundliche Atmosphäre vorfinden und sämtliche Abteilungen barrierefrei erreichen können. Auch muss es Mitarbeitern mit einer Behinderung möglich sein, an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.

Eine der größten Herausforderungen: einen Aufzug zu schaffen, der sowohl den Bestimmungen des Denkmalschutzes genügt als auch den ohnehin schon engen räumlichen Zuschnitt im historischen Rathaus nicht noch weiter verknappt. Aber auch dafür hat das Architekturbüro eine Lösung gefunden, mit der auch das Amt für Denkmalpflege in Münster einverstanden ist: ein gläserner Fahrstuhl an der Südseite des Gebäudes (zur Kirche hin). Damit die Konstruktion optisch nicht zu dominant wirkt, wird nur die erste Etage angefahren, die Fassade des Giebels bleibt frei. Von dort aus geht es für Menschen, die eingeschränkt sind, mit einem Treppenlift weiter bis in die Büros unter dem Dach. Auch eine behindertengerechte Toilette ist vorgesehen.

Die Kosten für die Sanierung der beiden Verwaltungsgebäude, in denen ein Großteil aller städtischen Abteilungen untergebracht ist, belaufen sich auf 3,1 Millionen Euro. Weil die Stadt Rietberg bereits eine Zusage für Landesmittel aus dem Städteerneuerungsprogramm über 2,1 Millionen Euro erhalten hat, verbleibt lediglich ein Eigenanteil von 908.000 Euro. Auch für die Schaffung des zentralen Platzes bestehen gute Chancen auf eine finanzielle Förderung. Grundsätzlich ist geplant, das Gebäude Rathausstraße 31 in den Jahren 2016/17 zu sanieren, jenes an der Rügenstraße 2017/18.

Das Foto zeigt den zentralen Platz zwischen Rathäusern und Kirche.  Ansicht: Büro „Objekt und Landschaft“ Jürgen Edenfeld

Das Foto zeigt den zentralen Platz zwischen Rathäusern und Kirche.  Ansicht: Büro „Objekt und Landschaft“ Jürgen Edenfeld