Kosten für Flüchtlings-Aufnahme in Rietberg steigen weiter an

„Die derzeitige Situation erinnert fast an den Anfang der 1990er-Jahre, als zu Spitzenzeiten 300 Flüchtlinge nach Rietberg kamen“, sagt Bürgermeister Andreas Sunder. Ganz so viele sind es zwar noch nicht, denn 129 Asylsuchende sind aktuell in Rietberg untergebracht – aber es kommen fast wöchentlich weitere Menschen hinzu, weiß Sozialamtsleiter Wilfried Dörhoff. Das stellt die Stadt Rietberg vor enorme Herausforderungen.

Unter anderem wird der Wohnraum für die Unterbringung knapp, die bestehenden Kapazitäten sind erschöpft. Die Stadtverwaltung plant, weitere Immobilien zu kaufen und zu mieten oder bereits im städtischen Besitz befindliche Gebäude eventuell umzubauen. Details zu Käufen oder Anmietungen kann Bürgermeister Sunder zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen – aus Rücksicht auf laufende Verhandlungen. Ob etwa das alte Feuerwehrgerätehaus in Neuenkirchen als Unterkunft in Frage kommt, wird derzeit geprüft. Insbesondere deshalb, weil dieses Gebäude Teil des Entwicklungskonzepts für den Stadtteil ist.

Ob Bauhof oder Sozialamt – bei der Stadtverwaltung sind aktuell viele Mitarbeiter für die Asylsuchenden im Einsatz. Die Schwierigkeit besteht unter anderem darin, dass die Stadt nur sehr kurzfristig erfährt, ob, und wenn ja, wie viele Flüchtlinge nach Rietberg kommen. „Mal sind es gleich acht Menschen in einer Woche, mal tagelang niemand“, schildert Dörhoff. Trotzdem sind der Leiter des Sozialamts und sein Team sowie alle übrigen Mitarbeiter sehr darum bemüht, eine optimale Betreuung der Menschen, die überwiegend aus Kriegsgebieten kommen, zu gewährleisten. Dazu gehört auch mal eine Fahrt zum Arzt oder eine Begleitung zur Untersuchung ins Krankenhaus.

„Auf dem Rest der Kosten bleiben wir zu 100 Prozent sitzen“

Weil die Stadt Rietberg sehr weitsichtig war, hat sie schon im Januar reagiert und halbtags einen Mitarbeiter beauftragt, der ausgebildeter Sozialpädagoge ist, und sich jenseits von rein organisatorischen Fragen um die Sorgen und Nöte der Menschen kümmert. Das ist aufgrund von sprachlichen Barrieren oftmals schwierig.

Bürgermeister Andreas Sunder ist froh, dass es diesen Mitarbeiter gibt, denn „so behalten wir stets selbst die Kontrolle darüber, was in den Unterkünften geschieht, und sind gut informiert“. Das Stadtoberhaupt hat aber auch die Kosten für Unterbringung, ärztliche Versorgung und finanzielle Grundversorgung im Blick. Die erst kürzlich vom Land Nordrhein-Westfalen zugesagte Aufstockung der Mittel reiche nicht ansatzweise aus. „Auf dem Rest bleiben wir als Stadt zu 100 Prozent sitzen. Und das bei einer ohnehin angespannten Haushaltslage“, sagt Sunder. Er habe vergangene Woche auch die Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Stadtrat über die aktuelle Sachlage informiert.

In der nächsten Sitzung des Schul- und Sozialausschusses am Dienstag, 18. November, wird es einen umfassenden Bericht von Sozialamtsleiter Wilfried Dörhoff zum Thema geben. Auch der städtische Mitarbeiter, der sich direkt vor Ort in den Unterkünften um die Flüchtlinge kümmert, wird seine Erfahrungen der vergangenen Monate schildern.

Hintergrund:

Die Aufnahme von Flüchtlingen stellt eine hohe finanzielle Belastung für die Stadt Rietberg dar. Für 2015 liegen die Zahlen noch nicht vor, aber für die Jahre davor: 2011 fielen Gesamtkosten in Höhe von 223.555 Euro an, wovon 65.660 Euro vom Land erstattet worden sind. Der städtische Eigenanteil betrug 157.895 Euro. Die erstatteten Landesmittel bereits abgezogen, zahlte die Stadt im Jahr 2012 noch 163.671 Euro, 2013 waren es bereits 229.776 Euro. 2014 schlägt aktuell (bis Ende September) mit 205.235 Euro zu Buche. In dieser Aufstellung sind nur die Kosten für die finanzielle Grund- und Krankenversorgung enthalten, nicht aber die Mittel für die bauliche Unterhaltung, die Ausstattung der Gebäude und die Betriebskosten in den Unterkünften.