Erstmals Storchenaufzucht im Gartenschaupark Rietberg

Jubel und Trauer liegen in diesen Tagen bei allen Verantwortlichen des Rietberger Storchenprojektes dicht beieinander. Denn: Zunächst sah es nach einer richtig guten Brut zweier Altstorchenpaare aus. Sowohl in Westerwiehe, hier gab es erstmals seit mindesten 60 Jahren in 2013 die ersten Jungtiere, wie auch auf dem Nest im Gartenschaupark tat sich so einiges. Im Park schlüpften im dritten Anlauf seit 2012 zwei Küken, auf dem Nest am Rande des Radweges Alte Bahntrasse gar vier. „Trotz ungünstiger Witterung entwickelten sich die Kleinen prächtig“, berichten die „Väter“ des Rietberger Storchenprojektes, Reinhard Hermelingmeier und Hans Holub vom örtlichen Hegering voller Stolz.

Nahezu rasant wuchsen die Kleinen heran, doch in dieser Woche reduzierte sich ihre Zahl. Im Gartenschaupark nahe des Forum Natur war plötzlich nur noch ein Jungtier zu beobachten, in Westerwiehe noch drei. Dort könnte die Ursache, so mutmaßen Wilhelm Gröver von der Unteren Landschaftsbehörde und Bernhard Walter von der Biologischen Station Gütersloh das „dichte Gedrängel“ in luftiger Höhe gewesen sein. Ob aber die Kleinen sich selbst verdrängt haben und eines herabstürzte oder ob die Alttiere das schwächste Exemplar nicht mehr mit gefüttert hatten, ist unklar. Für die Reduzierung im Nest im Park gibt es noch keine Mutmaßung. „Irgendwann war das zweite Jungtier einfach weg“, so Parkmeister Helmut Kammermann, der wie alle anderen Beteiligten auch regelmäßig aus der Entfernung nachschaut.

„Bei uns am Forum Natur finden die Störche eigentlich ideale Bedingungen, die Feuchtwiesen der Rietberger Emsniederung liegen gleich nebenan, Futter gibt es dort reichlich“, weiß Parkgeschäftsführer Peter Milsch und ebenso: „Das Interesse unserer Besucher im Park Mitte ist riesengroß. Täglich kommen Beobachter mit Ferngläsern und Fotoapparaten um den Altstörchen bei der Versorgung zuzuschauen. Und die nehmen das ganz gelassen.“

Gerade im Nachfolgegelände der NRW-Landesgartenschau 2008 gebe es die einzigartige Gelegenheit, „Meister Adebar quasi auf Augenhöhe zu begegnen“, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Andreas Sunder. „Der Aussichtsturm am Forum Natur ist auf der obersten Plattform ein wenig höher als das Nest, natürlich in ausreichender Entfernung. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Tiere. Und gerade Kinder sind ganz begeistert, wenn sie das Storchenleben nicht aus Büchern oder Filmen sondern hautnah live erfahren können.“

Der verbliebene Jungstorch im Park mache sich hervorragend, so Reinhard Hermelingmeier. „Das Tier steht bereits häufig aufrecht im Nest und die ersten Flugversuche werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir sind sehr glücklich, dass es in diesem Jahr gelungen ist, unser Storchenprojekt so erfolgreich umzusetzen.“ Vor der Saison hatten die Helfer aus Reihen der Projektpartner die Nisthilfen gereinigt und auf die neuerliche Ansiedlung vorbereitet. „Da haben wir wohl alles richtig gemacht.“

Die Verantwortlichen des Rietberger Storchenprojekte sind froh über den Bruterfolg, bedauern aber auch, dass zwei Jungstörche nicht überlebt haben: Parkmeister Helmut Kammermann, Hegeringleiter Reinhard Hermelingmeier, Wilhelm Gröver (Kreis Gütersloh), Bernhard Walter (Biologische Station Gütersloh); Hans Holub (Hegering Rietberg) und gartnschaupark-Geschäftsführer Peter Milsch. Fotos: Gartenschaupark/Hegering (Bender)

Die Verantwortlichen des Rietberger Storchenprojekte sind froh über den Bruterfolg, bedauern aber auch, dass zwei Jungstörche nicht überlebt haben: Parkmeister Helmut Kammermann, Hegeringleiter Reinhard Hermelingmeier, Wilhelm Gröver (Kreis Gütersloh), Bernhard Walter (Biologische Station Gütersloh); Hans Holub (Hegering Rietberg) und gartnschaupark-Geschäftsführer Peter Milsch. Fotos: Gartenschaupark/Hegering (Bender)

Geschützter vor der Öffentlichkeit wachsen die Nachwuchs-Adebare in den Westerwieher Marken auf. Auch das verbliebene Trio hat bereits eine ansehnliche Größe erreicht. „Wir sind bewusst nicht gleich zu Beginn vorgeprescht und haben öffentlich informiert. Die Tiere brauchen für die Aufzucht absolute Ruhe und gerade in den ersten Wochen bei der nasskalten Witterung war das Problem gegeben, das keines der Küken überlebt“, so der Rietberger Hegeringleiter weiter. Aufmerksamen Autofahrern gerade auch im Grenzbereich nach Steinhorst sind die auf der Futtersuche durch die Wiesen stakenden Alttiere schon ein selbstverständlicher Anblick und Grund den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. „Auch im NSG Steinhorster Becken können wir eine bis dato erfolgreiche Brut feststellen“, erzählt Wilhelm Gröver. „Hier wachsen weit entfernt vom öffentlich zugänglichen Gelände zwei Jungtiere auf.“ Geplant ist nun zumindest einen Teil der Jungtiere in nächster Zeit zu beringen, „um deren weiteren Weg nachverfolgen zu können“, so Bernhard Walter.

Einer der Westerwieher Jungstörche des Vorjahres hat sein Quartier im Norden Spaniens aufgeschlagen. „Da sind wir natürlich auch schon sehr gespannt, ob der wenn er ausgewachsen ist irgendwann zu uns zurückkehrt“, hofft Reinhard Hermelingmeier auf ein Wiedersehen. Alle Beteiligten freuen sich über Beobachter, bitten aber auch darum: „Man muss darauf achten, nicht zu nah an die Nester heranzugehen und die Vögel zu erschrecken. Dann kann man sicher noch einige Wochen das Wachsen der Jungtiere mit Hilfe von Ferngläsern genau verfolgen.“